14.10.26
Duisburger Schule: Workshops 2026
Die Filmwoche bietet für Interessierte einen konzentrierten Rahmen, um in intensiven Austausch mit Filmemacher:innen und Akteur:innen der Filmkultur zu treten. Im Jubiläumsjahr des Festivals drehen sich die Workshops um das Thema „Arbeiten für das Kino“.
Ganz praktisch, aber auch theoretisch: Was bedeutet es, Kinos als Abspielstätten des Dokumentarischen zu stärken? Zu Orten der sinnlichen Wahrnehmung, des Diskurses, der Erfahrung von Materialität, aber auch der Begegnung und dem Verweilen zu machen? Welcher Praxis, Haltung, aber auch Überlegungen bedarf es, um Kinos zu beleben und dem Dokumentarfilm darin Programmplätze einzuräumen? Denn Filme brauchen diesen Ort der Vertiefung, der Intimität, um unsere Affekte zu erreichen, Vorsprachliches wach zu rufen, das sonst nie in uns anklingen könnte. Doch auf Grund von Verwertungslogiken und marktwirtschaftlicher Ausrichtung vieler Kinos hat es der künstlerische Dokumentarfilm nach wie vor schwer. Es bedarf also konkreter Anstrengungen und Arbeit, um ihn aufzuführen und einen Raum zu schaffen, ihm zu verhelfen eine Wirkung zu entfalten und Zugänge zu legen.
Vier Workshops beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven die Frage, was diese Arbeit sein könnte und wie sie bereits stattfindet – die Arbeit für das Kino und den Dokumentarfilm darin. Expert:innen aus den Bereichen Archiv, Filmvermittlung, Kuration und Kinogeschichte bringen Beispiele aus ihrer Arbeit mit, die in den Workshops diskutiert und für die eigene Praxis angeeignet werden können.
Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen an Hannah Straßheim bis zum 28.10.26. Die Plätze sind begrenzt: strassheim@duisburger-filmwoche.de
▶ ▶ Vom Bild aus
Praktisch-künstlerische Zugänge zu Filmvermittlung mit Katja Lell
Mittwoch, 4. November, 13:45–16:30 Uhr
Kinos sind Orte, in denen Bilder und Töne unsere Sinne bespielen. Aus der Bewegung heraus lösen sich manchmal einzelne Eindrücke und setzen sich fest. Agnès Varda hat im Jahr 1982 im Gespräch mit anderen einzelne Fotos befragt, mit der Linse abgesucht, hineingezoomt, sich im Bild bewegt. Entstanden ist die Serie „Une minute, pour une image“. Entlang ihrer Idee arbeiten wir im Workshop mit Standbildern aus Filmen der Duisburger Filmwoche und suchen dabei sinnlich-körperliche Erfahrungen auf. Verschiedene Perspektiven zeigen, wie Filme erst im Moment ihrer Aufführung entstehen und ihre Bedeutung stets ausgehandelt wird. Wie können sich im Kino diese differenten Wahrnehmungen begegnen?
▶ ▶ Was kann Kino?
Dimensionen eines Möglichkeitsraums mit Birgit Kohler
Donnerstag, 5. November, 10:00–13:00 Uhr
Kino ist keine feste Größe – angesichts von technologischen, kulturellen und gesellschaftspolitischen Umbrüchen muss es sich immer wieder neu erfinden und sein Selbstverständnis justieren. Das Berliner Arsenal hat im Jahr 2025 den Umzug an einen neuen Standort und die Herausforderung, ein Jahr Programmarbeit ohne eigenes Kino zu machen genutzt, um an anderen Orten das Potenzial des Kinos und seiner lokalen und internationalen Netzwerke zu erkunden. Anhand von ortsspezifisch kuratierten Programmen in Algier, Berlin und anderswo gehen wir im Workshop mit einem Fokus auf dokumentarische Arbeiten der Bedeutung des Kinos als sozialem Raum und Ort von Reflexion und Austausch nach und fragen, wie Filme es möglich machen, die Welt anders zu sehen und zu denken.
▶ ▶ Vom Material aus kuratieren
Feministische Archivarbeit mit Gaby Babić und Lou Deinhart
Donnerstag, 5. November, 14:30–17:30 Uhr
Filmdosen, Schreibmaschinenseiten oder Fotografien – in Form von unterschiedlichen Materialien tritt die Kinothek Asta Nielsen mit dem Werk von Filmarbeiter*innen in Kontakt. Aus der Kontextualisierung, Rekonstruktion und in Begegnungen stellen sich nicht nur Fragen der Bewahrung, sondern auch der Verantwortung für die Sichtbarkeit. Denn Teile der Filmgeschichte haben keine Spuren im digitalen Netz hinterlassen. Ausschließlich analog vorliegende Filme werden heute praktisch unsichtbar. Anhand von einem kleinen Konvolut der Kinothek wird im Workshop die Arbeit mit dem Archiv ganz konkret. Ausgehend davon entwickeln wir Ideen zu Kuration und Aufführung dieses Materials.
▶ ▶ Phantom Cinemas
Opportunities and Pitfalls of Neighborhood Cinema-Making with Lennart Soberon
Freitag, 6. November, 14:30–17:30 Uhr
– Workshopsprache ist Englisch. Flüsterübersetzung können organisiert werden, bitte bei Bedarf direkt bei der Anmeldung angeben –
To whom does a cinema truly belong? While film venues are frequently celebrated as „third spaces“ that nurture community ties and foster belonging, yet we rarely ask for whom the screen flickers.
This workshop explores the opportunities and pitfalls of neighborhood cinema-making. Tracing the past and present film landscapes of Duisburg and beyond, we will examine community-focused programming in an era of gentrification. Following an introduction and interactive discussion, we will head into the city to discover key sites from Duisburg’s cinema history and meet some of its current cultural actors.